Schweißdrüsen: Wo sitzen sie, wie viele gibt es und was bewirken sie?

54 Kilometer: Länger als eine Marathondistanz ist die durchschnittliche Gesamtlänge aller Drüsengänge im menschlichen Körper. Den Löwenanteil machen dabei die Schweißdrüsen aus. Doch wie viele Schweißdrüsen hat ein Mensch? Wo sitzen die meisten? Und vor allem, was bewirken die Drüsen eigentlich? In diesem Artikel geben wir Antworten.

Schweissdruesen

© pimonpim / Adobe Stock

An welchen Körperregionen sitzen wie viele Schweißdrüsen?

Die Frage: „Wie viele Schweißdrüsen hat der Mensch?“, ist einfach zu beantworten: Durchschnittlich besitzt jeder Mensch zwei bis vier Millionen „Ausgabemedien“ für das Schwitzen. Diese Schweißdrüsen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen, haben zahlreiche gesundheitsfördernde Funktionen, aber können Betroffenen bei einer Überfunktion - das Leben schwer machen.

Die Gesamtzahl der Schweißdrüsen auf der Haut sagt noch nichts über ihre Verteilung auf den verschiedenen Hautarealen. Wer den Verdacht hat, dass sich genau dort am meisten Schweißdrüsen befinden, wo man auch am stärksten schwitzt, liegt genau richtig! Pro Quadratzentimeter Haut weist der Mensch im Durchschnitt zwischen 150 und 350 Schweißdrüsen auf. Manch einer bringt es sogar auf eine Dichte von bis zu 400 Schweißdrüsen pro cm². Diese besonders große Dichte ist speziell an den Handinnenflächen, unter den Achseln und an den Fußsohlen vorhanden.

Welche Arten von Schweißdrüsen gibt es?

Die Schweißdrüsen am Körper unterscheiden sich nicht nur in ihrer Dichte an den verschiedenen Körperregionen, Sie unterscheiden sich auch in Aufbau und Funktion: Es gibt sogenannte ekkrine und apokrine Schweißdrüsen. Während wir ekkrine Schweißdrüsen bereits von Geburt an in voller Menge besitzen, entstehen apokrine Schweißdrüsen (die sogenannten Duftdrüsen) erst im Rahmen der körperlichen Entwicklung während der Pubertät. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Jugendliche während der Pubertät deutlich stärker und auffälliger schwitzen, als in Kindertagen. Für die Bildung der apokrinen Schweißdrüsen ist die hormonelle Umstellung in der Pubertät verantwortlich. Apokrine Schweißdrüsen enden nicht auf der bloßen Haut, sondern münden in den Haarfollikeln.

Es gibt übrigens die Vermutung, dass es speziell bei den Schweißdrüsen unter den Achseln eine Mischform aus ekkrinen und apokrinen Drüsen gibt – die apoekkrinen Schweißdrüsen. Diese sollen zwar ähnlich funktionieren wie ekkrine Schweißdrüsen – allerdings mit deutlich erhöhter Schweißabgabe. Die Existenz dieser dritten Drüsen-Art könnte deshalb eine Erklärung für das übermäßige Schwitzen sein, von dem manche Menschen stark betroffen sind.

Wie arbeiten die verschiedenen Schweißdrüsen?

Die unterschiedlichen Typen von Schweißdrüsen bilden unterschiedliche Sekrete und werden durch unterschiedliche Botenstoffe gesteuert.

  • Aktivierung der ekkrinen Schweißdrüsen: Ekkrine Schweißdrüsen werden über Nervenimpulse durch das sympathische Nervensystem gesteuert. Sie sind vorrangig für die Schweißproduktion zur Temperaturregulation sowie für die Aufrechterhaltung des Säurefilms auf der Haut zuständig. Sie werden zur Schweißabgabe angeregt, indem sie ein vom Hypothalamus ausgehender Impuls über die sympathischen Nervenstränge erreicht. Ekkrine Drüsen sind zu diesem Zweck von den Nervenfasern des Sympathikus regelrecht umschlungen.
  • So arbeiten apokrine Schweißdrüsen: Anders verhält es sich mit den apokrinen Schweißdrüsen. Deren Schweißproduktion wird vorrangig durch die Freisetzung von Adrenalin hormonell angeregt. Somit reagieren die apokrinen Schweißdrüsen weniger auf Temperaturunterschiede, sondern setzen über die psychoneurologische Achse Hormone frei, das bedeutet, sie werden über Gefühle wie Angst, Stress, Schmerz oder auch Lustgefühle aktiviert. Die apokrinen Schweißdrüsen sind deshalb auch nicht für die Regulation des Wärme- und Elektrolythaushalts im Körper zuständig.

Wie ist der Schweiß zusammengesetzt?

So unterschiedlich, wie die Steuerung der Schweißdrüsen, so unterschiedlich ist auch die Zusammensetzung des jeweiligen Schweißes. Generell besteht Schweiß zu 99 bis 99,7 Prozent aus Wasser und zu 0,3 bis 1 Prozent aus sogenannten Feststoffen. Dies sind Elektrolyte, also Säuren, Basen und Salze. Ihr Gleichgewicht charakterisiert den Elektrolythaushalt des menschlichen Körpers. Und weil sie bei starker Anstrengung durch heftiges Schwitzen mit dem Schweiß ausgeschieden werden, sollten vor allem Sportler auf eine ausreichende Elektrolyt-Zufuhr achten. Bis zu 2,6 g Salz kann ein Liter Schweiß dem Körper “entziehen”.

Ekkrine Schweißdrüsen produzieren ein dünnflüssiges, leicht saures Sekret mit einem pH-Wert von 4,5, das keinen Eigengeruch aufweist. Die Säure macht sich beispielsweise unangenehm bemerkbar, wenn einem der Schweiß in die Augen rinnt und diese zu brennen beginnen. Apokrine Schweißdrüsen hingegen geben ein Sekret ab, das neben Wasser und Elektrolyten auch Zytoplasma enthält. Das Sekret ist basisch und zeigt oftmals einen unangenehmen Geruch.

Warum stinkt der Schweiß?

Schweißgeruch kann auf zwei verschiedene Arten entstehen: Eigengeruch des Schweißes zum einen, sowie Geruch durch bakterielle Zersetzung im Schweißfilm auf der Haut, zum anderen. Schweiß mit Eigengeruch stammt aus den apokrinen Schweißdrüsen, sie befinden sich vorrangig in der Achselhöhle und im Intimbereich. Schweiß aus den ekkrinen Schweißdrüsen hingegen entwickelt nur dann einen Schweißgeruch, wenn Bakterien auf der Haut mit Inhaltsstoffe des Schweißes abbauen. Diesem Geruch lässt sich mit antibakteriellen Deos gut entgegenwirken.

Der körpereigene Schweißgeruch aus dem Sekret apokriner Schweißdrüsen lässt sich nur schwer übertönen. Gegen diese Ausdünstung der Schweißdrüsen in der Achselhöhle setzen betroffene Menschen oft stark riechende Duftstoffe ein, die den Schweißgeruch überdecken sollen.

Welche Funktion haben Schweißdrüsen?

Schweißproduktion ist lebenswichtig für den menschlichen Körper. Sie dient der Temperaturregulation: Durch Schweiß lässt sich der Körper bei großer Hitze oder Anstrengung herunterkühlen. Die Schweißproduktion sorgt zudem dafür, dass der wertvolle Säureschutzeffekt der Haut erhalten bleibt.

Durch den Schweiß werden aus der Haut bestimmte Substanzen wie Aminosäuren, freie Fettsäuren oder Milchsäure herausgelöst. Der Schweiß verteilt diese Substanzen auf der Haut. Der dadurch entstehende Film ist wichtig für die Gesundheit. Er sorgt für ein gesundheitsförderndes Hautmikrobiom, es dient als Schutzbarriere gegen bakterielle und durch Pilze hervorgerufene Infektionen.

Welche Methoden gibt es, die Schweißabgabe der Schweißdrüsen zu verringern?

Wer von starkem Schwitzen betroffen ist, möchte trotz der gesundheitsfördernden Funktionen der Schweißdrüsen meist nur, dass der starken Schweißproduktion Einhalt geboten wird. Dafür gibt es verschiedene Wege: Hilfreich ist zum einen eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Milchprodukten und nur wenig Fleisch. Auch der Verzicht auf industriell erzeugten Lebensmitteln mit vielen künstlichen Zusatzstoffen, kann helfen das starke Schwitzen zu bekämpfen.

Zum anderen kann man die Schweißdrüsen auch durch gezielte Vor-Ort-Maßnahmen in der betroffenen Körperregion “an ihrer Arbeit hindern”. Dafür empfiehlt sich der Einsatz von Antitranspirantien. Antitranspirant-Produkte wie der Sweat-Off Antitranspirant Roll-On und der Sweat-Off sensitive Antitranspirant Schaum sorgen mit ihren Inhaltsstoffen dafür, dass die Schweißdrüsen abgedichtet werden. So kann weniger Schweiß austreten. Um den Effekt zu erreichen und dauerhaft zu erhalten, müssen Antitranspirante regelmäßig nach Herstellervorgabe aufgetragen werden.

Erst wenn der Einsatz von Antitranspirantien nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sollte man invasive Methoden in Betracht ziehen, wie das Spritzen von Botox in die Nervenfasern an den Schweißdrüsen oder das operative Veröden der Schweißdrüsen. Vorher gilt jedoch: Vor einem radikalen Eingriff bitte immer sich von einen Facharzt über Nutzen und Risiken und Kosten aufklären lassen.


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