Schweißdrüsen entfernen lassen

Wer unter extremem Schwitzen leidet, kann zur Linderung auf eine recht extreme Methode wie das Entfernen der Schweißdrüsen zurückgreifen. Der Vorteil: Keine Schweißdrüsen – kein Schweißausbruch! Doch Schweißdrüsen entfernen zu lassen, ist immer mit mehr oder weniger invasiven Operationsmethoden verbunden und sollte erst in Erwägung gezogen werden, wenn sämtliche anderen Mittel gegen das starke Schwitzen versagt haben. Wir geben einen Überblick über die verschiedenen Arten der operativen Schweißdrüsen Behandlung und informieren über Risiken und Kosten.

Schweißdrüsen entfernen lassen

Photo by Ani Kolleshi on Unsplash

Hintergrund: Funktion und Anzahl der Schweißdrüsen

Schweißdrüsen im menschlichen Körper haben eine wichtige Funktion: Sie sorgen für den Temperaturausgleich bei Hitze oder großer Anstrengung, sodass ein gefährliches Überhitzen verhindert wird. Gesteuert werden sie über das sympathische Nervensystem, das sich nicht bewusst kontrollieren lässt. Außerdem können hormonelle Veränderungen zu vermehrter Schweißproduktion führen. Die Schweißdrüsen sind der Ausgang für den Schweiß nach draußen. Sie befinden sich in nahezu allen Körperregionen: Unter den Achseln, an den Hand- und Fußflächen, im Gesicht, im Intimbereich, an Armen und Beinen sowie auf Brust und Rücken. Bis zu 400 Schweißdrüsen können sich auf einem Quadratzentimeter Hautfläche ballen.

Störender Schweiß bei starkem Schwitzen

Auch wenn Hand- und Fußflächen die höchste Konzentration an Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter vorweisen, stört die meisten von starkem Schwitzen Betroffenen die übermäßige Achselnässe am stärksten. Denn diese führt besonders häufig zu unangenehmem Schweißgeruch und ist aufgrund deutlicher Schweißflecken langfristig sichtbar. Ein Trost ist es daher für manche, dass das Entfernen der Achselschweißdrüsen prinzipiell möglich ist.

Schweißdrüsen entfernen lassen

Bei krankhaftem Schwitzen die Achselschweißdrüsen entfernen zu lassen, sollte wohl überlegt werden. Denn damit nimmt man einen Eingriff ins Temperatur-Regulationssystem des Körpers vor. Doch da die Schweißdrüsenentfernung ausschließlich unter den Achseln vorgenommen wird, bleiben die Drüsen in anderen Körperregionen erhalten und können für ausreichend Schweißproduktion zur Abkühlung bei Hitze sorgen. Für die Operation der Schweißdrüsen gibt es verschiedene Methoden mit individuellen Vor- und Nachteilen.

Schweißdrüsenentfernung – die verschiedenen Arten

Schweißdrüsen zu entfernen, kann operativ auf folgende Arten geschehen: Durch Absaugen (Saugkürettage der Schweißdrüsen), Lasern oder Hautentfernung. Die Methoden sind unterschiedlich aufwendig und haben unterschiedliche Erfolgsaussichten.

Schweißdrüsen durch Absaugen entfernen lassen

Bei der Absaugung oder Saugkürettage werden Schweißdrüsen entfernt, indem sie durch minimalinvasive Einschnitte abgesaugt werden. Dazu wird zunächst eine sogenannte Tumeszenz-Lösung in die Achselhöhlen gespritzt. Sie besteht aus einem Anästhetikum sowie Kochsalz, Adrenalin und Enzymen. Dadurch wird das Areal inklusive der enthaltenen Schweißdrüsen gewissermaßen aufgeschwemmt und gleichzeitig lokal betäubt. Anschließend nimmt der Arzt zwei kleine Einschnitte vor, führt durch diese eine Absaugkanüle ein und entfernt damit Schweißdrüsen inklusive Unterhautfettgewebe. In den meisten Fällen wird zudem eine Ausschabung (Kürettage) vorgenommen, was die Erfolgschancen der Behandlung erhöht. Die Dauer der Schweißdrüsenabsaugung liegt bei ca. 30 bis 60 Minuten. Es werden in der Regel die meisten, aber nicht alle Schweißdrüsen dabei entfernt.

Schweißdrüsen durch Lasern entfernen lassen

Beim Lasern der Schweißdrüsen als Maßnahme gegen starkes Schwitzen wird unter lokaler Betäubung durch einen kleinen Hautschnitt von ca. 1,5 mm eine Laserfaser eingeführt. Wird der Laser aktiviert, kommt es zu großer Hitzebildung – und diese Hitze zerstört das umliegende Gewebe mit den Schweißdrüsen. Man spricht häufig auch vom Veröden der Schweißdrüsen. Allerdings ist „Veröden“ nicht wirklich die richtige Beschreibung, da die Schweißdrüsen ja durch die Hitze nicht „zugeschweißt“, sondern zerstört werden. Das Lasern zum Entfernen der Schweißdrüsen dauert ähnlich lang wie die Saugkürettage.

Schweißdrüsen durch Hautentfernung beseitigen

Das Entfernen ganzer Hautstücke ist eine besonders radikale Methode, Schweißdrüsen unter den Achseln loszuwerden. Es ist allerdings auch besonders effektiv, da sich an den behandelten Stellen kaum neue Drüsen nachbilden werden. Diese Methode wird nur empfohlen, wenn Betroffene extrem stark unter krankhaftem Schwitzen leiden und führt zu großen Wunden, die oft unschöne und deutliche Narben hinterlassen.

Schweißdrüsen entfernen lassen: Erfolge und Risiken

Wie jede Operation, so ist das Entfernen der Schweißdrüsen mit Risiken verbunden. Denn natürlich belastet jeder operative Eingriff den Körper – allein schon wegen der Anästhesie. Beim Absaugen der Schweißdrüsen, beim Schweißdrüsen Lasern oder aber beim Entfernen ganzer Hautstücke können spezifische Probleme auftreten. Dazu zählen Wundheilungsprobleme (speziell beim Entfernen von Haut), Verbrennungen (beim Lasern), Blutergüsse, Nekrosen, Gefühlsstörungen durch Schäden an den Nervenenden sowie Narbenbildung. Generell empfehlen Experten selbst bei den minimal-invasiven Methoden eine Schonzeit von zwei Wochen mit möglichst wenig körperlicher Anstrengung, um das Abheilen nicht zu gefährden.

Erfahrungen mit dem Entfernen der Schweißdrüsen

Erfahrungsberichte zeigen: Das Entfernen der Schweißdrüsen muss nicht zwangsläufig das Ende des starken Schwitzens bedeuten. Denn einerseits können vor allem bei den minimal-invasiven Methoden oft nicht sämtliche Schweißdrüsen im behandelten Bereich komplett entfernt werden. Und andererseits kann es dazu kommen, dass sich eine Weile nach der Behandlung die Nervenverbindungen zu den übrig gebliebenen Schweißdrüsen nachbilden.

Laut einiger Anbieter solcher OPs liegt die Erfolgsrate beim Absaugen der Schweißdrüsen etwa bei 87 %, verbunden mit einer Ausschabung steigen die Chancen auf 93 %. Unabhängige Studien sprechen von 70 bis 80 % Erfolgsrate. Hierbei sollte aber beachtet werden, dass in manchen Fällen die Wirkung erst nach Jahren nachlässt. Die Langzeitdaten wurden in den genannten Studien nicht einbezogen. Für das Lasern der Schweißdrüsen liegen zudem noch gar keine belastbaren Daten vor, weil diese Methode vergleichsweise neu ist.

Sollte es nach einer Schweißdrüsen OP erneut zu starker Schweißproduktion unter den Achseln kommen, muss die Operation gegebenenfalls wiederholt werden.

Kosten für die Entfernung der Schweißdrüsen

Beim Entfernen der Schweißdrüsen handelt es sich um eine kosmetische Operation. In der Regel werden die Kosten für solch einen Eingriff nicht von den Krankenkassen übernommen. Lediglich in Einzelfällen kann die Kostenübernahme durch die Krankenkassen infrage kommen – beispielsweise, weil Betroffene aufgrund des krankhaften Schwitzens enorme psychische Probleme haben. Die Preise für die ambulanten Eingriffe zum Entfernen der Schweißdrüsen unter den Achseln liegen im vierstelligen Bereich: Mit ca. 1.500 bis 2.500 Euro sollte man als Kosten für die Schweißdrüsenentfernung mindestens rechnen.

Fazit: Schweißdrüsen entfernen sollte gut überlegt sein

Bevor man bei extremem Schwitzen zur Entfernung der Schweißdrüsen als ultimativem Mittel greift, sollte man sämtliche Alternativen ausprobieren. Denn damit kann man sich eventuell einen mit hohen Kosten, Aufwand, Schmerzen und Einschränkungen verbundenen Eingriff ersparen. Als besonders wirksam zum Eindämmen starker Schweißbildung hat sich der Einsatz von Antitranspiranten erwiesen. Mittel wie der Sweat-Off Antitranspirant Roll-on basieren auf dem folgenden Wirkungsprinzip: Die enthaltenen Metallverbindungen, meist Aluminiumchloride, sorgen dafür, dass die Schweißdrüsen auf natürliche Weise und ohne Operation verstopft werden. Sind die Schweißdrüsen erst mal abgedichtet, kann kein Schweiß mehr austreten. Bei vielen von starkem Schwitzen betroffenen Menschen lässt sich durch den regelmäßigen Einsatz von Antitranspiranten die Schweißbildung signifikant senken.

Erst wenn sich das krankhafte Schwitzen auch dadurch nicht in den Griff bekommen lässt, kann man darüber nachdenken, sich die Schweißdrüsen entfernen zu lassen. Risiken, Notwendigkeit und Kosten sollten aber auf jeden Fall zuvor mit einem Facharzt besprochen werden.


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