(Krankhaftes Schwitzen) Hyperhidrose: Ursachen, Erklärungen und Behandlungen für extremes Schwitzen

Heftige Schweißausbrüche schon beim kleinsten Anlass, übermäßiges Schwitzen selbst ohne Hitze oder Anstrengung – und ständig feuchte Achseln oder Hände: Damit haben viele Menschen im Alltag zu kämpfen. Bei ihnen findet die lebenswichtige Schweißproduktion in übersteigertem Maße statt – was oft zu empfindlichen Einbußen in der Lebensqualität führt. Die medizinische Bezeichnung für das übermäßige, krankhafte Schwitzen lautet Hyperhidrose.

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Es fällt schwer, genaue Zahlen für die Häufigkeit der Hyperhidrose anzugeben, weil die Grenzen zwischen starkem Schwitzen und krankhaftem Schwitzen schwer zu definieren sind. Letztlich hängt die Diagnose vom Leidensdruck der Betroffenen ab, ob die übermäßige Schweißproduktion als nur einigermaßen lästig oder als stigmatisierend und die persönliche Lebensqualität einschränkend wahrgenommen wird. In unserem Hyperhidrose Ratgeber zeigen wir die Ursachen, Erscheinungsweisen und Symptome für das krankhafte Schwitzen auf – und geben Tipps zur Behandlung der übermäßigen Schweißbildung.

Die Verbreitung von Hyperhidrose

Schätzungen zufolge sind rund drei Prozent der Bevölkerung von Hyperhidrose betroffen. Da sich viele Betroffene nicht an Ärzte oder Kliniken wenden, sondern mit übermäßigem Schwitzen still vor sich hin leiden, gibt es keine harten Zahlen für die Häuigkeit dieses Krankheitsbildes. Eine Studie in den USA, für die im Jahr 2004 rund 150.000 Haushalte befragt wurden, zeigte, dass 2,8 Prozent der Befragten unter starkem, krankhaftem Schwitzen litten. Diese Angaben bestätigen die Größenordnung: Hyperhidrose-Fälle sind keine Einzelfälle, sondern betreffen allein in Deutschland schätzungsweise 2,3 Millionen Menschen.

Die Arten und Schweregrade einer Hyperhidrose

Beim übermäßigen bis krankhaften Schwitzen gibt es verschiedene Typen. Es wird unterschieden zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose, außerdem wird die Erkrankung nach Schweregraden eingeteilt.

Der Unterschied zwischen fokaler und generalisierter Hyperhidrose

Beim übermäßigen Schwitzen wird unterschieden nach dem Ort der Schweißausbrüche: Hat man mit einer örtlich begrenzten starken Schweißbildung zu kämpfen, so wird dies als fokale Hyperhidrose oder auch primäre Hyperhidrose bezeichnet. Handelt es sich hingegen um Schweißausbrüche an mehreren Stellen des Körpers, so ist von einer generalisierten Hyperhidrose oder auch sekundären Hyperhidrose die Rede. Eine fokale Hyperhidrose zeigt sich bevorzugt in Form gesteigerter Achselnässe sowie Schwitzen an den Handflächen oder Fußsohlen – oder auch in einer Kombination dieser örtlich begrenzten Schweißbildung. In einigen Fällen können auch Oberkörper, Nacken und Stirn von der fokalen Hyperhidrose betroffen sein. Fokale Hyperhidrosen treten in den meisten Fällen vor dem 25. Lebensjahr auf, sorgen bei psychischem Stress für verstärktes Schwitzen und können bei einigen Betroffenen sogar asymptomatisch während des Schlafs auftreten.

Bei einer generalisierten Hyperhidrose kommt es zu zeitgleichen Schweißausbrüchen an mehreren Körperstellen. Während primäre Hyperhidrosen noch relativ unerforscht sind und oftmals Menschen betreffen, die ansonsten kerngesund erscheinen, sind mehrere Ursachen sekundärer Hyperhidrosen bekannt. Das „sekundär“ im Namen bedeutet, dass diese Art des übermäßigen Schwitzens die Folge eines konkreten Auslösers ist, beispielsweise einer Erkrankung.

Sonderform: gustatorisches Schwitzen

Eine Sonderform der starken Schweißbildung ist das gustatorische Schwitzen, auch unter dem Namen Frey-Syndrom bekannt. Davon spricht man, wenn es beim Essen oder Trinken zur Bildung von Schweißperlen im Gesicht kommt – speziell auf der Stirn, den Wangen und der Oberlippe. Je nach Ausprägung der Schweißbildung wird auch hier zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen unterschieden. Die Ursache für das gustatorische Schwitzen ist in vielen Fällen nicht konkret erkennbar, aus zahlreichen Fallberichten wird jedoch abgeleitet, dass in manchen Fällen eine Nervenschädigung ursächlich ist, die durch Entzündungen oder Tumore entstanden ist.

Einteilung der Hyperhidrose nach Schweregrad

Der Schweregrad krankhafter Schweißbildung wird in drei Ausprägungen unterteilt: Bei Schweregrad I spricht man von einer leichten Hyperhidrose. Sie äußert sich in einer vermehrten Feuchtigkeit der Haut und in Schweißflecken mit einem Durchmesser von bis zu 10 Zentimetern.

Der Schweregrad II beschreibt eine mäßig starke Hyperhidrose. Kennzeichen für diese Art des übermäßigen Schwitzens sind die kontinuierliche Bildung kleiner Schweißperlen auf der Haut, Schweißflecken bis zu 20 Zentimeter Durchmesser unter den Achseln sowie das dauerhafte Schwitzen an den Fußsohlen oder Handflächen.

Handelt es sich um eine starke Hyperhidrose, so spricht man vom Schweregrad III. Dies ist der Fall, wenn selbst ohne besondere Belastung so viel Schweiß produziert, dass dieser abtropft, unter den Achseln Schweißflecke von mehr als 20 Zentimeter Durchmesser entstehen und man nicht nur an den Hand- und Fußflächen schwitzt, sondern auch an den Rückseiten von Händen, Füßen, Fingern und Zehen sowie an deren seitlichen Rändern.

Problemzonen und Symptome einer Hyperhidrose

Es überrascht nicht, dass starkes Schwitzen speziell in den Körperregionen auftritt, in denen die Anzahl an Schweißdrüsen besonders hoch ist. Das betrifft die Handinnenflächen, wo es pro Quadratzentimeter Haut im Schnitt 370 Schweißdrüsen gibt, die Fußsohlen, die ca. 360 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter aufweisen, die Handrücken, mit rund 205 Schweißdrüsen pro cm², sowie Bauch und Brust, die mit 150 bis 200 Schweißdrüsen pro cm² ausgestattet sind. Überraschen dürfte, dass es unter den Achseln nur um die 150 Schweißdrüsen je cm² gibt – obwohl dort oftmals die auffälligste Schweißbildung stattfindet. Viele Menschen schwitzen auch an den Armen, die mit 150 bis 250 Schweißdrüsen/cm² zu den „stark bestückten“ Regionen in Sachen Schweißbildung zählen.

Symptome bei einer Hyperhidrose

Übermäßiges bis krankhaftes Schwitzen kann sich entweder in dauerhafter Schweißbildung äußern oder in anfallsartig auftretenden heftigen Schweißausbrüchen. Beiden Erscheinungsformen ist gemeinsam, dass häufig keine Ursache oder einen konkreten Auslöser für die Schweißbildung zu geben scheint: Der übersteigerten Schweißabsonderung geht oft weder eine besondere körperliche oder psychische Anstrengung voraus, noch kommt die externe Temperatur als Trigger in Frage. Die psychische Beschaffenheit wird dann als Begründung angeführt, wenn von Hyperhidrose Betroffene feststellen, dass bei ihnen der geringste Reiz genügt, um extreme Schweißausbrüche hervorzurufen: Schon ein bisschen Lampenfieber oder auch Freude oder die geringste körperliche Anstrengung sorgen in diesen Fällen dafür, dass der Schweiß in Strömen fließt.

Starkes Schwitzen: Problemzone Achseln

Betrifft die übermäßige Schweißproduktion vorrangig oder ausschließlich die Achseln, so spricht man auch von axillärer Hyperhidrose. Die Krankengeschichte zeigt, dass Achselschweiß, der aufgrund einer primären Hyperhidrose auftritt, oft durch psychischen Stress, beispielsweise durch Aufregung, Lampenfieber oder Angst verstärkt wird. Handelt es sich hingegen um eine sekundäre, also erworbene Hyperhidrose, ist die Erkrankung eines anderen Organsystems der Auslöser. Es können Fehlfunktionen im Nervensystem, Schilddrüsenerkrankungen oder auch Tumore Grund für das extreme Schwitzen sein. Die Folgen sind ähnlich: deutlich sichtbare Schweißflecke, feuchte Kleidung und oftmals auch ein unangenehmer Schweißgeruch. Das Heimtückische bei axillärer Hyperhidrose: Sie verstärkt die ganz natürliche Schweißbildung ins Extreme. Während es normal ist, dass ein Mensch bei Sommerhitze schwitzt, so äußert sich dies bei Leidtragenden mit Hyperhidrose in wahren Schweißströmen unter den Achseln. Die sinnvolle natürliche Schutzfunktion des Körpers gegen eine Überhitzung wird durch die Hyperhidrose übersteigert und so zu einem eigenständigen Problem. Achselnässe ist ein Sonderfall, weil es in den Achselhöhlen zwei Arten von Schweißdrüsen gibt: Neben den am gesamten Körper vorhandenen ekkrinen Schweißdrüsen sind unter den Achseln auch die apokrinen Schweißdrüsen zu finden. Diese Duftdrüsen bilden sich im Laufe der Pubertät aus, während die ekkrinen Schweißdrüsen von Geburt an angelegt sind. Im Gegensatz zu den ekkrinen Schweißdrüsen, ist die Flüssigkeit der apokrinen Drüsen nicht geruchlos, sondern etwas dickflüssiger und oft leicht gelblich eingefärbter Schweiß, der mit körpereigenen Geruch versehen ist. Deshalb geht Achselschweiß oft mit starkem Schweißgeruch einher.

Hyperhidrose an den Händen

Wenn jemand vorrangig an den Händen von starkem bis krankhaftem Schwitzen betroffen ist, so spricht man von einer palmaren Hyperhidrose. Dies Störung äußert sich in dauerhaft feuchten oder nassen Händen. Betroffene haben im wahrsten Sinne des Wortes einen nass-kalten Händedruck und neigen dazu auf das Händeschütteln zu verzichten. An den Händen befindet sich eine große Zahl ekkriner Schweißdrüsen, also ist die austretende Flüssigkeit klar und geruchlos.

Schweißbildung an den Füßen

Das übermäßige Schwitzen an den Füßen wird als plantare Hyperhidrose bezeichnet. Die Leidtragenden zeigen häufig Schamgefühl, sie halten keinen Blickkontakt, wenden sich ab, erröten, meiden Sozialkontakte. Grund dafür ist die mit Fußschweiß oftmals einhergehende strenge Geruchsentwicklung. Durch unzureichende Belüftung und ein dauerhaft feuchtes Milieu entsteht der typische Geruch nach Schweißfüßen, der abstoßend auf das Umfeld wirken kann.

Schwitzen in anderen Körperregionen

Die Schweißbildung beschränkt sich nicht auf die Hände, Füße und Achselhöhlen, auch wenn diese Areale vor allem von übermäßigem Schwitzen betroffen sind. Auch am Kopf, Rumpf, Rücken und im Intimbereich befinden sich zahlreiche Schweißdrüsen, die auch gelegentlich von übermäßigem Schwitzen betroffen sein können.

Ursachen für das übermäßige Schwitzen

Starkes bis krankhaftes Schwitzen kann viele Ursachen haben. Bei den sogenannten sekundären Hyperhidrosen sind Funktionsstörungen und spezifische Krankheiten (beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Nervenschädigungen, Tumore) ursächlich für die übermäßige Schweißbildung.

Ursachen für primäre Hyperhidrosen

An den Ursachen für primäre Hyperhidrosen wird noch geforscht. Experten beschreiben das Phänomen als komplexe Dysfunktion, die Übersteuerung des sympathischen Nervensystems führt zu einer gesteigerten Aktivität der der Schweißdrüsen und so zu einer gesteigerten Schweißproduktion. Auffällig ist, dass die Neigung zur primären Hyperhidrose vererbt wird. Wenn beide Elternteile an Hyperhidrose leiden ist es wahrscheinlicher, dass auch ihre Nachkommen betroffen sein werden.. Daher wird eine genetische Prädisposition für diese Erkrankung vermutet, sie kommt bei Männern und Frauen gleich häufig vor.

Ursachen für sekundäre Hyperhidrosen

Sekundäre Hyperhidrosen werden häufig als Folgeerscheinung anderer Phänomene beschrieben. So gelten zum Beispiel Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Parkinson und Akromegalie als bekannte Ursachen für eine sekundäre Hyperhidrose. Weitere Ursachen für übermäßiges, anfallsartiges Schwitzen kann die Einnahme von Medikamenten sein, beispielsweise gilt vermehrte Schweißbildung als häufige Nebenwirkung von Antidepressiva und Opioiden. Auch Präparate, die auf den Hormonhaushalt einwirken, können Schweißausbrüche auslösen. Tritt plötzlich erstmalig eine Hyperhidrose auf, können eine Tumorerkrankung, eine schwere Infektion (Tuberkulose, AIDS) oder eine hormonelle Umstellungsphase (Menopause) die Ursache sein. Die ärztliche Abklärung sollte daher schnell angegangen werden. In seltenen Fällen treten sekundäre Hyperhidrosen auch fokal auf, also örtlich begrenzt. Das kann zum Beispiel die Folge von Verletzungen an Nervenbahnen sein, wie nach Nervenentzündungen, Schädigungen im Rückenmark oder im Gehirn.

Folgeerscheinungen des starken Schwitzens

Ständig stark zu schwitzen, hat Folgen – und zwar nicht nur dauerhaft feuchte Hände oder Achseln. Neben den sichtbaren Konsequenzen in Form von Schweißflecken haben Betroffene auch mit ihren psychischen Belastungen zu kämpfen. Die Hyperhidrose begünstigt auch die Entstehung von Hautkrankheiten.

Leidensdruck durch psychische Belastung

Wer dauernd feuchte Hände hat, sich für riesige Schweißflecken auf der Kleidung schämt oder unangenehmen Schweißgeruch nicht los wird, hat einen hohen psychischen Leidensdruck. Betroffene mit mittlerer bis starker Hyperhidrose ziehen sich deshalb immer stärker von sozialen Kontakten zurück. Auch auf berufliche Tätigkeiten kann sich das übermäßige Schwitzen nachteilig auswirken: Geschäftsleute, die einander zur Begrüßung nicht die Hände schütteln oder während Präsentationen in Schweiß ausbrechen, gelten als wenig souverän. In manchen Berufen verursacht der Schweiß sogar praktische Probleme: Da Schweiß Werkstoffe angreifen und Materialien beschädigen kann, sorgt er in Jobs, die mit anspruchsvoller manueller Tätigkeit verbunden sind, für Beeinträchtigungen. Ob Zahntechniker, Goldschmied oder Apotheker: Wer viel mit seinen Händen arbeitet, kann durch Hyperhidrose stark beeinträchtigt werden.

Hautkrankheiten durch Hyperhidrose

Auf Arealen, in denen die Haut aufgrund einer Hyperhidrose ständig feucht oder schweißgebadet ist, können unangenehme Beeinträchtigungen aber auch ernsthafte Erkrankungen auftreten. Durch die ständige Feuchtigkeit weicht die Hornschicht der Haut auf und das Mikrobiom, die gesundheitsfördernde Mikrobengemeinschaft aus Pilzen, Viren und Bakterien, die die Haut überzieht – wird gestört. Dringen krankmachende Viren, Pilze oder Bakterien in die Haut ein, entstehen Hautreizungen, wunde Stellen und Entzündungen, die sehr hartnäckig sein können. Damit diese Folgen erst gar nicht entstehen können, ist die konsequente Behandlung der Hyperhidrose erforderlich.

Die Diagnose einer Hyperhidrose

Wer das Gefühl hat, von übermäßigem Schwitzen aufgrund einer Hyperhidrose betroffen zu sein, weil er stark unter dem Problem extremer Schweißbildung leidet, sollte ärztlichen Rat suchen, bevorzugt bei der Hausärztin und bei Fachärzten für Hauterkrankungen oder anderen Therapeuten. Später kann eine Überweisung zu anderen Fachdisziplinen erforderlich werden, beispielsweise in die Neurologie oder Radiologie, um Verdachtsdiagnosen zu bestätigen oder auszuschließen. Bei der Diagnostik einer Hyperhidrose wird zunächst die Anamnese (Krankengeschichte) erfasst. Danach folgt die Inspektion (Betrachtung des Patienten), die körperliche Untersuchung und, wenn erforderlich weitere spezifische Tests (Jod-Stäke Test zum optischen Schweißnachweis; gravimetrische Bestimmung der Schweißmenge; Messung der elektrischen Leitfähigkeit der Haut) und klinisch-chemische und labordiagnostische Untersuchungen. Die erweiterten Untersuchungen sind angezeigt, wenn eine sekundäre Hyperhidrose infolge einer auslösenden Grunderkrankung vermutet wird.

Behandlung und Therapie Möglichkeiten

Wurde eine Hyperhidrose diagnostiziert, so bestimmt die Art der Erkrankung die Behandlungswege. Wer von einer primären Hyperhidrose betroffen ist, wird vorrangig mit Maßnahmen behandelt, die die Schweißproduktion eindämmen. Handelt es sich hingegen um eine sekundäre Hyperhidrose, steht die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung im Mittelpunkt. Wird die Grunderkrankung erfolgreich therapiert, kann dies ausreichen, damit auch die Hyperhidrose beseitigt wird, andernfalls kann das Krankheitsanzeichen verstärkter Schweißfluss unterstützend angegangen werden.

Behandlung des Krankheitsbildes

Handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose, wird die zugrunde liegende Erkrankung ursächlich behandelt. Abhängig von der Art der Erkrankung geschieht dies mit unterschiedlichen Therapieformen, beispielsweise einer Chemo- oder Immuntherapie bei Krebserkrankungen oder einer medikamentösen Hemmung der Schilddrüsenhormonbildung bei Schilddrüsenüberfunktion mit sogenannten Thyreostatika.

Behandlung der Symptome – Eindämmen der Schweißbildung

Das andauernde Schwitzen, ständig feuchte Hände oder Achselnässe und damit einhergehende Beeinträchtigungen sind die größten Belastungsfaktoren bei Hyperhidrose. Diese Symptome zu bekämpfen, ist auf verschiedene Weisen möglich. Welche Art der Behandlung gewählt wird, sollte anhand des Schweregrads der Hyperhidrose und des vom Patienten empfundenen Leidensdrucks von Patient und Arzt gemeinsam entschieden werden.

Generell stehen folgende Möglichkeiten zur Behandlung des übermäßigen Schwitzens zur Verfügung:

  • Medikamentöse Behandlungen
  • Entfernung der Schweißdrüsen
  • Einsatz von Aluminiumchloriden / Antitranspiranten
  • Iontophorese
  • Botox-Spritzen
  • Radiofrequenz-Thermotherapie
  • Mikrowellen-Therapie
  • (Hausmittel)

Medikamente gegen Hyperhidrose

Übermäßiges Schwitzen kann mit speziellen Medikamenten therapiert werden, den sogenannten Anticholinergika. Ihre Wirkstoffe hemmen den Botenstoff Acetylcholin, der die Nervenimpulse an die Schweißdrüsen überträgt, so wird die Schweißbildung unterdrückt. Die beiden wichtigsten Vertreter dieser medikamentösen Behandlung einer Hyperhidrose sind Bornaprinhydrochlorid und Methantheliniumbromid. Der Nachteil dieser Therapieform: Sie hat oft starke Nebenwirkungen. Denn die Anticholinergika wirken nicht spezifisch nur auf die Nervenimpulse zur Schweißbildung, sondern überall dort, wo Acetylcholin als Überträger von Nervenreizen im Körper vorkommt. Zu den verbreiteten Nebenwirkungen dieser Medikamentenklasse gegen das starke Schwitzen gehören Sehstörungen, Verstopfungen und Mundtrockenheit.

Schweißdrüsenentfernung bei übermäßigem Schwitzen

Die Entfernung der Schweißdrüsen gehört zu den invasivsten und für den Patienten anstrengendsten Therapieformen bei einer Hyperhidrose. Sie gilt aber auch als besonders wirksam: Wenn die Schweißdrüsen in einem bestimmten Areal zum großen Teil entfernt oder zerstört werden, wird die Schweißbildung in diesem Bereich zuverlässig unterbunden. Das Entfernen der Schweißdrüsen ist auf drei Wegen möglich: operative Exzision, mittels Laserbehandlung sowie durch eine Saugkürettage. Letztere ist die klassische Art der chirurgischen Behandlung einer Hyperhidrose. Bei der Saugkürettage wird das Gewebe zunächst durch Einspritzen spezieller Wirkstoffe verflüssigt und anschließend abgesaugt.

Bei der Laserbehandlung werden die Schweißdrüsen durch gezieltes, lokales Erhitzen zerstört. Beide Arten der Schweißdrüsenentfernung werden ausschließlich unter den Achseln vorgenommen.

Aluminiumchloride zum Abdichten der Schweißdrüsen

Von Experten wird die Anwendung von Aluminiumsalzen oft als erste Maßnahme gegen übermäßiges Schwitzen empfohlen. Durch das Auftragen sogenannter Antitranspirante auf die von starker Schweißbildung betroffenen Hautregionen, sollen die Schweißdrüsen abgedichtet werden, so dass wenig bis gar kein Schweiß mehr austritt. Die Wirkung basiert auf einer Reaktion der in Antitranspiranten enthaltenen Aluminiumsalze mit den Zellen der Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Dem Abdichten der Schweißdrüsen liegt eine adstringierender (zusammenziehender) Effekt zu Grunde, nämlich die Komplexbildung der Metallsalze mit Eiweißen der Zelloberfläche der Ausführungsgänge. In der Regel werden die Präparate, die meist Aluminiumchlorid enthalten, gut vertragen. Um dauerhaft die übermäßige Schweißbildung bei einer Hyperhidrose einzudämmen, muss das Antitranspirant regelmäßig angewandt werden.

Iontophorese gegen Hyperhidrose

Die Iontophorese ist eine schonende Behandlungsmethode bei übermäßigem Schwitzen an den Hand- oder Fußflächen, sie kann aber auch gegen Achselschweiß sowie das starke Schwitzen an Brust oder Rücken zum Einsatz kommen. Ihre Wirksamkeit basiert auf dem Einsatz von Strom zur Verminderung der Aktivität der Schweißdrüsen. Die Iontophorese wird ambulant durchgeführt und erfolgt in mehreren Sitzungen von jeweils ca. 20 – 30 Minuten Dauer. Die von übermäßiger Schweißproduktion betroffenen Körperteile werden dabei in ein spezielles Ionen-Bad eingetaucht und durch den Einsatz von schwachem Gleichstrom werden Wasserstoff-Ionen in die Haut eingebracht.

Nach mehreren Sitzungen wird oft eine Reduktion der Schweißbildung an den behandelten Stellen erreicht. Danach schließt sich meist eine Erhaltungsphase an, in der eine Sitzung pro Woche ausreicht.

Botulinumtoxin: Nervengift gegen Schweißbildung

Die Wirkung von Botulinumtoxin macht man sich auch in der Bekämpfung des starken Schwitzens zunutze, mittels Injektionen wird die Erregungsübertragung von den Nerven zu den Schweißdrüsen unterdrückt. Mit Botulinumtoxin-Injektionen lässt sich generell jede von starken Schweißausbrüchen betroffene Region behandeln. Die schweißreduzierende Wirkung der Botox-Spritzen ist jedoch auf einige Monate begrenzt, daher muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden.

Radiofrequenz-Thermotherapie

Eine neuartige Therapieform gegen axilläre Hyperhidrose ist die Radiofrequenz-Thermotherapie. Dabei wird durch feinste Mikronadeln mittels Radiowellen, Hitze unter der Haut erzeugt – und die Schweißdrüsen und ihre Versorgungsnerven werden zerstört. Oft genügt bereits eine Anwendung, um spürbare Erleichterung durch verringerte Schweißbildung zu schaffen. Die Radiofrequenz-Thermotherapie wird nicht von allen Therapiezentren angeboten.

Mikrowellen-Therapie

Ebenfalls innovativ ist die Behandlung übermäßigen Schwitzens mittels Mikrowellen-Therapie. Mikrowellen erzeugen Gewebstemperaturen von über 60ᵒ Celsius. So lassen sich die Schweißdrüsen gezielt veröden unter weitgehender Schonung des umgebenden Gewebes. Um Schmerzen während der Behandlung zu vermeiden, wird der zu behandelnde Bereich vor der Mikrowellen-Therapie örtlich betäubt. Da es sich um eine neuartige Therapieform handelt, sind die verfügbaren Erfahrungen und Erkenntnisse noch nicht ausreichend, um den Stellenwert der Mikrowellen-Therapie innerhalb aller Therapieoptionen endgültig zu bestimmen.

Hausmittel gegen starkes Schwitzen

Die Wirksamkeit von Hausmitteln ist im Gegensatz zu etablierten Therapieverfahren nicht wissenschaftlich überprüft, sondern basiert auf Überlieferung und Fallberichten. Das spricht nicht gegen ihre mögliche Wirkung, macht aber deutlich, dass Hausmittel nicht bei ernsthaften Erkrankungen, wie der Hyperhidrose, unkritisch angewendet werden sollten.

Hyperhidrose lässt sich gut behandeln

Eine Hyperhidrose kann vielfältige Ursachen haben. Sie lässt sich oft gut behandeln, wenn das vorherrschende Symptom gezielt therapiert wird: die übermäßige Schweißproduktion. Um als Betroffener die eigene Lebensqualität zu verbessern, empfiehlt sich bei einer primären Hyperhidrose das Symptom der übermäßigen Schweißproduktion in den Griff zu bekommen. Bei einer sekundären Hyperhidrose ist die zugrunde liegende Erkrankung zuerst zu therapieren. Gelingt dies nicht zufriedenstellend, wird symptomatisch das überschießende Schwitzen behandelt.

Eine abgestufte Therapie, die den zu erwartenden Nutzen, die Risiken und Kosten in die Entscheidung einbezieht, sollte mit dem behandelnden Arzt gemeinsam getroffen werden. Ob Antitranspiranten bereits genügen oder man zu „härteren Methoden“, wie Iontophorese oder Saugkürettage greifen sollte, hängt vom Schweregrad der Hyperhidrose und vom damit einhergehenden Leidensdruck ab.

Bitte beachten Sie:
Für eine sichere Diagnose und Behandlung muss immer ärztlicher Rat gesucht werden.

Veröffentlicht durch: Sweat-Off Redaktion
Erstellt am: 24. Juni 2020
Prüfzyklus: jährlich
Antitranspirant Experten
Redaktionsteam: M.Sc. Sophie Forreiter, M.Sa. Oxana Zhuravkova, M.Sc. Marianne Liyayi
Lektor: Prof. Dr. Michael Habs

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