(Krankhaftes Schwitzen) Hyperhidrose: Ursachen, Erklärungen und Behandlungen für extremes Schwitzen

Heftige Schweißausbrüche schon beim kleinsten Anlass, übermäßiges Schwitzen selbst ohne Hitze oder Anstrengung – und ständig feuchte Achseln oder Hände: Damit haben viele Menschen im Alltag zu kämpfen. Bei ihnen findet die eigentlich lebenswichtige Schweißproduktion in übersteigertem Maße statt – was zu empfindlichen Einbußen in der Lebensqualität führen kann. Die medizinische Bezeichnung für das übermäßige bis krankhafte Schwitzen lautet Hyperhidrose.

Ratgeber Hyperhidrose

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Es fällt schwer, genaue Zahlen für die Verbreitung von Hyperhidrose festzumachen, weil die Grenzen zwischen starkem und krankhaftem Schwitzen schwer zu definieren sind. Letztendlich hängt es vom Leidensdruck jedes einzelnen Betroffenen ab, ob die übermäßige Schweißproduktion als einigermaßen lästig oder als extrem einschränkend wahrgenommen wird. In unserem Hyperhidrose Ratgeber zeigen wir die Ursachen, Erscheinungsweisen und Symptome für das krankhafte Schwitzen auf – und geben Tipps zur Behandlung der übermäßigen Schweißbildung.

Die Verbreitung von Hyperhidrose

Schätzungen zufolge sind rund drei Prozent der Bevölkerung von Hyperhidrose betroffen. Da sich viele Betroffene nicht an Ärzte oder Kliniken wenden, sondern mit übermäßigem Schwitzen gewissermaßen still vor sich hin leiden, gibt es keine harten Zahlen für die Verbreitung dieser Erkrankung. Eine Studie in den USA, für die im Jahr 2004 rund 150.000 Haushalte befragt wurden, zeigte jedoch, dass die Schätzungen ziemlich genau liegen: 2,8 Prozent der Befragten gab in dieser Studie an, unter starkem, krankhaftem Schwitzen zu leiden. Diese Zahlen zeigen: Hyperhidrose-Fälle sind keine Einzelfälle, sondern betreffen allein in Deutschland schätzungsweise 2,3 Millionen Menschen.

Die Arten und Schweregrade einer Hyperhidrose

Beim übermäßigen bis krankhaftem Schwitzen gibt es verschiedene Typen. Es wird unterschieden zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose, außerdem wird die Erkrankung nach Schweregraden eingeteilt.

Der Unterschied zwischen fokaler und generalisierter Hyperhidrose

Beim übermäßigen Schwitzen wird unterschieden nach dem Ort der Schweißausbrüche: Hat man mit einer örtlich begrenzten starken Schweißbildung zu kämpfen, so wird dies als fokale Hyperhidrose oder auch primäre Hyperhidrose bezeichnet. Handelt es sich hingegen um Schweißausbrüche an mehreren Stellen des Körpers, so ist von einer generalisierten Hyperhidrose oder auch sekundären Hyperhidrose die Rede. Eine fokale Hyperhidrose zeigt sich bevorzugt in Form gesteigerter Achselnässe sowie Schwitzen an den Handflächen oder Fußsohlen – oder auch in einer Kombination dieser örtlich begrenzten Schweißbildung. In einigen Fällen können auch Oberkörper, Nacken und Stirn von der fokalen Hyperhidrose betroffen sein. Fokale Hyperhidrosen treten in den meisten Fällen vor dem 25. Lebensjahr auf, sorgen bei psychischem Stress für verstärktes Schwitzen und können bei einigen Betroffenen sogar asymptomatisch während des Schlafs auftreten.

Bei einer sekundären oder auch generalisierten Hyperhidrose hingegen kann es zu parallelen Schweißausbrüchen an all diesen Körperstellen kommen. Während primäre Hyperhidrosen noch relativ unerforscht sind und oftmals Menschen betreffen, die ansonsten kerngesund sind, sind mehrere Ursachen sekundärer Hyperhidrosen bekannt. Das „sekundär“ im Namen verrät, dass diese Art des übermäßigen Schwitzens oftmals die Folgeerscheinung eines anderen Phänomens ist, wie beispielsweise eine Erkrankung.

Sonderform: gustatorisches Schwitzen

Eine Sonderform der starken Schweißbildung ist das gustatorische Schwitzen, auch unter dem Namen Frey-Syndrom bekannt. Davon spricht man, wenn es beim Essen oder Trinken zur Bildung von Schweißperlen im Gesicht kommt – speziell auf der Stirn, den Wangen und der Oberlippe. Je nach Ausprägung der Schweißbildung kann auch hier zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen unterschieden werden. Die Ursache für das gustatorische Schwitzen ist in vielen Fällen nicht konkret erkennbar, es wird jedoch vermutet, dass in manchen Fällen eine Nervenschädigung dahinter steckt.

Einteilung der Hyperhidrose nach Schweregrad

Beim Schweregrad krankhafter Schweißbildung wird in drei Ebenen unterteilt: Bei Schweregrad I spricht man von einer leichten Hyperhidrose. Sie äußert sich in einer vermehrten Feuchtigkeit der Haut und in Schweißflecken mit einem Durchmesser von bis zu 10 Zentimetern.

Der Schweregrad II beschreibt eine mäßig starke Hyperhidrose. Kennzeichen für diese Art des übermäßigen Schwitzens sind die kontinuierliche Bildung kleiner Schweißperlen auf der Haut, Schweißflecken bis zu 20 Zentimeter Durchmesser unter den Achseln sowie das dauerhafte Schwitzen an den Fußsohlen oder Handflächen.

Handelt es sich um eine starke Hyperhidrose, so spricht man vom Schweregrad III. Dies ist der Fall, wenn selbst ohne besondere Belastung so viel Schweiß produziert, dass dieser abtropft, unter den Achseln Schweißflecke von mehr als 20 Zentimeter Durchmesser entstehen und man nicht nur an den Hand- und Fußflächen schwitzt, sondern auch an den Rückseiten von Händen, Füßen, Fingern und Zehen sowie an deren seitlichen Rändern.

Problemzonen und Symptome einer Hyperhidrose

Es dürfte kaum überraschen, dass starkes Schwitzen speziell in den Körperregionen auftritt, in denen die Anzahl an Schweißdrüsen besonders hoch ist. Das betrifft die Handinnenflächen, wo es pro Quadratzentimeter Haut im Schnitt 370 Schweißdrüsen gibt, die Fußsohlen, die mit ca. 360 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter nur knapp dahinter liegen, die Handrücken, wo sich immerhin rund 205 Schweißdrüsen pro cm² drängen, sowie Bauch und Brust, die mit 150 bis 200 Schweißdrüsen pro cm² ausgestattet sind. Überraschen dürfte, dass es unter den Achseln nur um die 150 Schweißdrüsen je cm² gibt – obwohl dort oftmals die auffälligste Schweißbildung stattfindet. Viele Menschen schwitzen auch an den Armen, die mit 150 bis 250 Schweißdrüsen/cm² zu den „stark bestückten“ Regionen in Sachen Schweißbildung zählen.

Symptome bei einer Hyperhidrose

Übermäßiges bis krankhaftes Schwitzen kann sich entweder in dauerhafter Schweißbildung äußern oder in anfallsartig auftretenden heftigen Schweißausbrüchen. Beiden Erscheinungsformen ist gemein, dass es keine oder nur sehr geringe Auslöser für die Schweißbildung zu geben scheint: Weder sind die Betroffenen in dem Moment extrem angestrengt noch stehen sie unter Stress oder haben mit großer Hitze zu kämpfen. Einige von Hyperhidrose Betroffene stellen auch fest, dass bei ihnen der geringste Reiz genügt, um extreme Schweißausbrüche hervorzurufen: Schon ein bisschen Lampenfieber oder auch Freude oder die geringste körperliche Anstrengung sorgen in diesen Fällen dafür, dass der Schweiß in Strömen fließt.

Starkes Schwitzen: Problemzone Achseln

Betrifft die übermäßige Schweißproduktion vorrangig oder ausschließlich die Achseln, so spricht man auch von axillärer Hyperhidrose. Die Beobachtung entsprechender Fälle zeigt, dass Achselschweiß, der aufgrund einer primären Hyperhidrose auftritt, oft durch psychischen Stress, beispielsweise durch Aufregung, Lampenfieber oder Angst verstärkt wird. Handelt es sich hingegen um eine sekundäre Hyperhidrose als Grund für das extreme Schwitzen, tritt die erhöhte Schweißproduktion meist unspezifisch auf. Die Folgen sind jedoch ähnlich: deutlich sichtbare Schweißflecken, feuchte Kleidung und oftmals auch ein unangenehmer Schweißgeruch. Das perfide an axillärer Hyperhidrose: Sie verstärkt meist die ganz natürliche Schweißbildung ins Extreme. Während es also beispielsweise normal ist, dass ein Mensch bei Sommerhitze schwitzt, so äußert sich dies bei Betroffenen mit Hyperhidrose in wahren Schweißströmen unter den Achseln. Die eigentlich sinnvolle natürliche Schutzfunktion des Körpers gegen eine Überhitzung wird durch die Hyperhidrose also zu einem ganz eigenen belastenden Problem. Achselnässe stellt auch insofern einen Sonderfall dar, als dass sich in den Achselhöhlen ganz besondere Schweißdrüsen befinden: Neben den am gesamten Körper vorhandenen ekkrinen Schweißdrüsen sind unter den Achseln nämlich auch die apokrinen Schweißdrüsen zu finden. Diese bilden sich erst im Laufe der Pubertät, während die ekkrinen Schweißdrüsen von Geburt an angelegt sind. Und im Gegensatz zu den ekkrinen Schweißdrüsen stoßen die apokrinen Drüsen keine geruchlose Flüssigkeit aus, sondern einen etwas dickflüssigeren, oft leicht gelblich eingefärbten Schweiß, der mit einem körpereigenen Geruch versehen ist. Deshalb geht Achselschweiß oft mit starkem Schweißgeruch einher.

Hyperhidrose an den Händen

Wenn jemand vorrangig an den Händen von starkem bis krankhaftem Schwitzen betroffen ist, so spricht man von einer palmaren Hyperhidrose. Solch eine Störung äußert sich in dauerhaft feuchten oder sogar nassen Händen. Betroffene haben im wahrsten Sinne des Wortes einen nass-kalten Händedruck und neigen dazu, irgendwann gänzlich auf das Händeschütteln zu verzichten. An den Händen befindet sich eine große Zahl ekkriner Schweißdrüsen, das bedeutet, dass die austretende Flüssigkeit klar und geruchlos ist.

Schweißbildung an den Füßen

Das übermäßige Schwitzen an den Füßen, auch als plantare Hyperhidrose bezeichnet, geht häufig mit viel Schamgefühl einher. Grund dafür ist die mit Fußschweiß oftmals verbundene strenge Geruchsentwicklung. Durch unzureichende Belüftung und ein dauerhaft feuchtes Milieu entsteht der typische Geruch nach Schweißfüßen, der abstoßend auf das Umfeld wirken kann.

Schwitzen in anderen Körperregionen

Die Schweißbildung beschränkt sich natürlich nicht auf die Hände, Füße und Achselhöhlen, auch wenn diese Areale vor allem von übermäßigem Schwitzen am häufigsten betroffen sind. Auch am Kopf, Rumpf, Rücken und im Intimbereich befinden sich zahlreiche Schweißdrüsen – und bei Anstrengung schwitzt man dort entsprechend. Doch als Areale, die von krankhaftem Schwitzen betroffen sind, haben sich diese Körperregionen bislang nicht herausgestellt.

Ursachen für das übermäßige Schwitzen

Starkes bis krankhaftes Schwitzen kann viele Ursachen haben. Speziell bei der sogenannten sekundären Hyperhidrose gelten vor allem Krankheiten als hauptsächliche Auslöser für die übermäßige Schweißbildung. Eher im Dunkeln liegen hingegen die Ursachen für primäre, also fokale Hyperhidrosen.

Ursachen für primäre Hyperhidrosen

An den Ursachen für eine primäre Hyperhidrose wird noch geforscht und bislang lassen sich die Gründe für diese Art des krankhaften Schwitzens nicht eindeutig festmachen. Experten beschreiben das Phänomen deshalb als komplexe Dysfunktion, die durch Einwirkung des sympathischen Nervensystems zu einer Übersteuerung der Schweißdrüsen und daraus resultierend zu einer gesteigerten Schweißproduktion ohne ersichtliche Ursache führt. Auffällig ist, dass sich die Neigung zur primären Hyperhidrose oft durch ganze Familien zieht. Daher wird eine genetische Prädisposition für diese Erkrankung vermutet.

Ursachen für sekundäre Hyperhidrosen

Sekundäre Hyperhidrosen werden häufig als Folgeerscheinung anderer Phänomene beschrieben. So gelten zum Beispiel Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Parkinson und Akromegalie als häufige Ursachen, mit denen eine sekundäre Hyperhidrose in Zusammenhang gebracht wird. Weitere Ursachen für übermäßiges, anfallsartiges Schwitzen kann die Einnahme von Medikamenten sein – beispielsweise gilt vermehrte Schweißbildung als häufige Nebenwirkung von Antidepressiva und Opioiden. Auch Präparate, die regulierend auf den Hormonhaushalt einwirken, können Schweißausbrüche zur Folge haben. Zudem kann plötzlich auftretende Hyperhidrose auch ein Zeichen für Tumorwachstum im Körper sein, aufgrund von schweren Infektionen wie HIV oder Tuberkulose auftreten oder bei Frauen eine Begleiterscheinung während der Menopause sein.

In seltenen Fällen treten sekundäre Hyperhidrosen auch fokal auf, also örtlich begrenzt. Das kann zum Beispiel die Folge von Verletzungen an Nervenbahnen sein, wie bei Neuropathien, spinalen Läsionen oder cerebralen Läsionen.

Folgeerscheinungen des starken Schwitzens

Ständig stark zu schwitzen, hat natürlich Folgen – und zwar nicht nur dauerhaft feuchte Hände oder Achseln. Neben den sichtbaren Konsequenzen in Form von Schweißflecken haben Betroffene auch mit psychischen Folgen zu kämpfen – und in besonders heftigen Fällen von Hyperhidrose sogar mit Hautkrankheiten.

Leidensdruck durch psychische Belastung

Wer dauernd feuchte Hände hat, sich für riesige Schweißflecken auf der Kleidung schämt oder unangenehmen Schweißgeruch nicht los wird, hat einen hohen psychischen Leidensdruck. Betroffene mit mittlerer bis starker Hyperhidrose ziehen sich deshalb immer stärker von sozialen Kontakten zurück. Auch auf berufliche Tätigkeiten kann sich das übermäßige Schwitzen nachteilig auswirken: Geschäftsleute, die einander zur Begrüßung nicht die Hände schütteln oder während Präsentationen in Schweiß ausbrechen, gelten als wenig souverän. In manchen Berufen verursacht der Schweiß sogar ganz praktische Probleme: Da er Werkstoffe angreifen und Materialien beschädigen kann, sorgt er in Jobs, die mit anspruchsvoller manueller Tätigkeit verbunden sind, für Beeinträchtigungen. Ob Zahntechniker, Goldschmied oder Apotheker: Wer viel mit seinen Händen arbeitet, kann durch Hyperhidrose empfindlich eingeschränkt werden.

Hautkrankheiten durch Hyperhidrose

Auf Arealen, in denen die Haut aufgrund einer Hyperhidrose ständig feucht oder gar schweißgebadet ist, können lästige bis gefährliche Folgeerscheinungen auftreten. Denn durch die ständige Feuchtigkeit weicht die Hornschicht der Haut auf und das körpereigene Mikrobiom – der ständig präsente Bakterienfilm, der die Haut überzieht – wird gestört. Dadurch können sich Viren, Pilze oder Bakterien auf der Haut ansiedeln oder dort eindringen. Dies äußert sich in wunden Stellen, Hautreizungen oder Läsionen. Um diese Folgeerscheinung los zu werden, ist die Behandlung der Hyperhidrose als Ursache essentiell.

Die Diagnose einer Hyperhidrose

Wer das Gefühl hat, von übermäßigem Schwitzen aufgrund einer Hyperhidrose betroffen zu sein und stark unter dem Problem extremer Schweißbildung leidet, kann sich an Ärzte und Therapeuten wenden. Die erste Anlaufstelle sollte der Hausarzt oder der Hautarzt sein. Später kann dann eine Überweisung zu anderen Experten stattfinden, beispielsweise Neurologen bei auf neurologischen Störungen basierenden Krankheitsbildern. Bei der Diagnostik einer Hyperhidrose wird zunächst die Krankengeschichte erfasst, die sogenannte Anamnese. Danach folgend Tests und körperliche Untersuchungen. Letztere sind speziell dann wichtig, wenn eine sekundäre Hyperhidrose als Folgeerscheinung einer Erkrankung vermutet wird. Als Test wird unter anderem der Jod-Stärke-Test verwendet, außerdem kommen gravimetrische Messungen sowie Messungen des Hautleitwertes zur Anwendung.

Behandlung und Therapie Möglichkeiten

Wurde eine Hyperhidrose diagnostiziert, so bestimmt die Art der Erkrankung die möglichen Behandlungswege. Wer von einer primären Hyperhidrose betroffen ist, wird vorrangig mit Maßnahmen behandelt, die die Schweißproduktion eindämmen sollen. Handelt es sich hingegen um eine sekundäre Hyperhidrose, steht die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung im Mittelpunkt. Häufig kann dadurch schon die Hyperhidrose als Folgeerscheinung gemindert oder beseitigt werden. Auch bei dieser Form der Hyperhidrose kann man unterstützend allerdings Behandlungen vornehmen, die die Schweißbildung gezielt verringern.

Behandlung des Krankheitsbildes

Handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose, wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt. Abhängig von der Art der Erkrankung kann dies mit sehr unterschiedlichen Therapieformen geschehen – beispielsweise Chemotherapie bei Krebserkrankungen oder medikamentöse Behandlung bei Schilddrüsenüberfunktion.

Behandlung der Symptome – Eindämmen der Schweißbildung

Das andauernde Schwitzen, ständig feuchte Hände oder Achselnässe und damit einher gehende Beeinträchtigungen sind die größten Belastungsfaktoren bei einer Hyperhidrose. Diese Symptome zu bekämpfen, ist auf verschiedene Weise möglich. Welche Art der Behandlung gewählt wird, sollte anhand des Schweregrads der Hyperhidrose und des vom Patienten empfundenen Leidensdrucks entschieden werden.

Generell stehen folgende Möglichkeiten zur Behandlung des übermäßigen Schwitzens zur Verfügung:

  • Medikamentöse Behandlung
  • Entfernung der Schweißdrüsen
  • Einsatz von Aluminiumchloriden / Antitranspiranten
  • Iontophorese
  • Botox-Spritzen
  • Radiofrequenz-Thermotherapie
  • Mikrowellen-Therapie
  • Hausmittel

Medikamente gegen Hyperhidrose

Übermäßiges Schwitzen kann mit speziellen Medikamenten therapiert werden, den sogenannten Anticholinergika. Die Wirkstoffe in diesen Präparaten sind so angelegt, dass sie die Übertragung der Nervenimpulse zur Schweißbildung unterbinden. Dafür kommen vorrangig zwei Wirkstoffe im Rahmen der medikamentösen Behandlung einer Hyperhidrose zum Einsatz: Bornaprinhydrochlorid und Methantheliniumbromid. Der Nachteil dieser Therapieform: Sie hat oft starke Nebenwirkungen. Denn mit den Anticholinergika lassen sich nicht nur die Nervenimpulse zur Schweißbildung unterdrücken – sie wirken auch hemmend auf andere Nervenreize in Bezug auf diverse Drüsen im Körper. Zu den verbreiteten Nebenwirkungen solcher Medikamente gegen das starke Schwitzen gehören Sehstörungen, Verstopfungen und Mundtrockenheit.

Eine sanftere Alternative zur medikamentösen Behandlung bei einer Hyperhidrose kann der Einsatz von Naturpräparaten sein. Diese sind, im Gegensatz zu Anticholinergika, meist frei verkäuflich und basieren häufig auf Inhaltsstoffen von Salbei.

Schweißdrüsenentfernung bei übermäßigem Schwitzen

Die Entfernung der Schweißdrüsen gehört zu den invasivsten und für den Patienten anstrengendsten Therapieformen bei einer Hyperhidrose. Sie gilt aber auch als besonders wirksam: Da die Schweißdrüsen in einem bestimmten Areal zum großen Teil entfernt beziehungsweise zerstört werden, wird die Schweißbildung in diesem Bereich durch das Verfahren meist zuverlässig unterbunden. Das Entfernen der Schweißdrüsen ist auf zwei Wegen möglich: mittels Laserbehandlung sowie durch eine Saugkürettage. Letztere ist die klassische Art der chirurgischen Behandlung einer Hyperhidrose. Bei der Saugkürettage wird das Gewebe zunächst durch Einspritzen spezieller Wirkstoffe aufgeweicht und anschließend abgesaugt.

Bei der Laserbehandlung hingegen werden die Schweißdrüsen durch gezieltes, lokales Erhitzen zerstört. Beide Arten der Schweißdrüsenentfernung werden unter den Achseln vorgenommen.

Aluminiumchloride zum Abdichten der Schweißdrüsen

Von Experten wird die Anwendung von Aluminiumchloriden oft als erste Maßnahme gegen übermäßiges Schwitzen empfohlen. Durch das Auftragen sogenannter Antitranspirante auf die von starker Schweißbildung betroffenen Hautregionen sollen die Schweißdrüsen abgedichtet werden, so dass wenig bis gar kein Schweiß mehr austritt. Die Wirkung basiert auf einer natürlichen Reaktion des in Antitranspiranten enthaltenen Aluminiumchlorids mit den Körperzellen in den Schweißdrüsen. Man nennt dieses Abdichten der Schweißdrüsen einen adstringierenden Effekt. In der Regel werden die Präparate mit Aluminiumchlorid gut vertragen. Um damit dauerhaft die übermäßige Schweißbildung bei einer Hyperhidrose einzudämmen, muss ein Antitranspirant allerdings regelmäßig angewandt werden.

Iontophorese gegen Hyperhidrose

Die Iontophorese ist eine schonende Behandlungsmethode bei übermäßigem Schwitzen an den Hand- oder Fußflächen, sie kann aber auch gegen Achselschweiß sowie das starke Schwitzen an Brust oder Rücken zum Einsatz kommen. Ihre Wirksamkeit basiert auf dem Einsatz von Strom zur Verminderung der Aktivität der Schweißdrüsen. Die Iontophorese wird ambulant durchgeführt und erfolgt in mehreren Sitzungen von jeweils ca. 20 – 30 min Dauer. Die von übermäßiger Schweißproduktion betroffenen Körperteile werden dabei in ein spezielles Ionen-Bad eingetaucht und durch den Einsatz von schwachem Gleichstrom werden die Wasserstoff-Ionen in die Haut eingebracht.

Nach mehreren Sitzungen wird oft eine Reduktion der Schweißbildung an den behandelten Stellen erreicht. Das Ganze muss jedoch nach einer gewissen Zeit wiederholt werden.

Botulinumtoxin: Nervengift gegen Schweißbildung

Die Wirkung von Botulinumtoxin macht man sich auch in der Bekämpfung des starken Schwitzens zunutze – indem mittels Injektionen die Nervenimpulse zu den Schweißdrüsen unterdrückt werden. Damit lässt sich generell jede von starken Schweißausbrüchen betroffene Region behandeln. Die schweißreduzierende Wirkung der Botox-Spritzen ist jedoch auf einige Monate begrenzt, danach muss die Prozedur wiederholt werden.

Radiofrequenz-Thermotherapie

Eine neuartige Therapieform gegen Hyperhidrose ist die Radiofrequenz-Thermotherapie. Dabei wird durch feinste Mikronadeln mittels Radiowellen Hitze unter der Haut erzeugt – und die Schweißdrüsen werden deaktiviert. Oft genügt bereits eine Anwendung, um spürbare Erleichterung durch verringerte Schweißbildung zu schaffen. Die Radiofrequenz-Thermotherapie wird allerdings nicht von allen Therapiezentren angeboten.

Mikrowellen-Therapie

Ebenfalls recht innovativ ist die Behandlung übermäßigen Schwitzens mittels Mikrowellen-Therapie. Auch diese Therapieform sorgt für die Zerstörung beziehungsweise Verödung von Schweißdrüsen durch punktuelle Hitze. Um Schmerzen während der Behandlung zu vermeiden, wird der zu behandelnde Bereich vor der Mikrowellen-Therapie örtlich betäubt. Da es sich um eine vergleichsweise neuartige Therapieform handelt, liegen allerdings bislang kaum belastbare Erkenntnisse zur Zuverlässigkeit der Wirkung dieser Behandlungsart vor.

Hausmittel gegen starkes Schwitzen

Um in Eigenregie etwas gegen übermäßiges Schwitzen zu unternehmen, kann man natürlich auch zu Hausmitteln greifen. So hat sich beispielsweise Salbei einen Namen gemacht, weil er eine natürliche adstringierende Wirkung entfalten kann – also zur Abdichtung der Schweißdrüsen beitragen kann. Salbei kann in Form von Kapseln oder Tee innerlich sowie in Form von Aufgüssen äußerlich angewandt werden. Ebenfalls ein beliebtes Hausmittel zur Behandlung starker Schweißbildung ist Apfelessig, der von außen angewendet wird. Und bei ständig schwitzigen Händen empfiehlt sich ein regelmäßiges Kamille-Bad der Handflächen. Viele andere Hausmittel, die gegen das Schwitzen empfohlen werden, wie Zitrone, Natron oder Ingwer, haben zwar keine adstringierenden Effekte, können aber dank antibakterieller Wirkung zumindest bei der Bekämpfung des unangenehmen Schweißgeruchs helfen.

Hyperhidrose lässt sich gut behandeln

Eine Hyperhidrose kann vielfältige Ursachen haben – lässt sich jedoch gut behandeln, wenn man punktuell das auffälligste Symptom therapiert: die übermäßige Schweißproduktion. Um als Betroffener die eigene Lebensqualität zu verbessern, empfiehlt sich bei einer primären Hyperhidrose beziehungsweise neben der Behandlung der Grunderkrankung bei einer sekundären Hyperhidrose der Einsatz gezielter Maßnahmen gegen das Schwitzen.

Ob Hausmittel oder das Auftragen von Antitranspiranten genügen oder man zu „härteren Methoden“ wie Iontophorese, Botox oder Saugkürettage greifen sollte, hängt vom Schweregrad der Hyperhidrose ab.

Bitte beachten Sie:
Für eine sichere Diagnose und Behandlung muss immer ein Arzt aufgesucht werden.


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