Handschwitzen

Im westlichen Kulturraum gehört das Händeschütteln zu den wichtigsten Ritualen in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Ob bei der Vorstellung, Begrüßung, Verabschiedung, Gratulation – Hände werden tagtäglich ganz selbstverständlich geschüttelt. Für einige Menschen kann dieses Ritual allerdings extrem unangenehm werden, da sie stark schwitzende Hände haben und sich nicht mehr trauen, den Kontakt zu anderen zu suchen. Für viele bedeutet das Stress pur! Denn übermäßiges Handschwitzen, der Mediziner spricht hier von Hyperhidrosis Palmaris, ist nicht nur extrem nervig, sondern trägt nicht gerade zu einem gesunden Selbstwertgefühl oder einer Selbstsicherheit im Berufs-, Liebes- oder Sozialleben bei. Wo liegen aber die Ursachen dafür und wie lässt es sich behandeln?

Man spricht von Hyperhidrosis Palmaris, wenn eine starke und langanhaltende Schweißabsonderung an den Händen auftritt. Das lässt sich recht einfach und ohne Arzt feststellen, wenn man die Schweißtropfen wegwischt und sich unverzüglich neuer Schweiß absondert. Außerdem kann man häufig eine leichte Farbveränderung der Haut feststellen, die sich aufgrund des Natriums und weiterer Mineralien, die sich im Schweiß befinden, Pink färbt. Wer es noch gründlicher diagnostizieren möchte, der kann eine Iodtinktur auf die Handflächen auftragen und diese anschließend nach der Trocknung der Hände mit Kartoffelstärke bepudern. Wenn neuer Schweiß austritt, wird dieser die Handflächen bläulich färben. Je intensiver die Färbung, desto intensiver ist die Ausprägung der Hyperhidrosis Palmaris zu diagnostizieren.

Die Schweißdrüsen an Händen und Füßen sind speziell!

Natürlich dient eine normale Schweißabsonderung an den Händen einem ganz bestimmten Zweck. Immerhin hat sich die Evolution etwas dabei gedacht. Aber während die Schweißbildung unter den Achseln oder an anderen Körperstellen der Regulierung des Wärmehaushalts dient, damit der Körper nicht überhitzt, dient das Schwitzen an den Händen und Füßen dazu, dass wir einen besseren Griff bzw. eine bessere Haftung haben. Deshalb wird es nicht vom thermoregulatorischen Zentrum gesteuert, sondern von einem eigenen Zentrum im zentralen Nervensystem. Die Behandlung von Hyperhidrosis Palmaris verlangt deswegen oft einen ganz anderen Ansatz und die gängigen Tipps zur Vermeidung von starkem Schwitzen, wie beispielsweise Übergewicht zu reduzieren, die Ernährung umzustellen oder regelmäßiges zu Saunieren, helfen hier nur bedingt. Sie zielen eher auf eine Vermeidung der Schweißbildung an anderen Körperstellen.

Was können die Ursachen für starkes Schwitzen an den Händen sein?

Starkes Handschwitzen tritt vor allem in der Pubertät auf und verschwindet bei den meisten danach auch wieder. Das ist wenig verwunderlich, weil der Körper mit Unmengen Hormonen überschüttet wird, die auch bei Erwachsenen der Grund für das starke Schwitzen sein können. Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass das Auftreten bei 50% der Betroffenen genetisch bedingt ist. Weitere Auslöser können aber auch emotionaler oder mentaler Herkunft sein. Wenn man beispielsweise unter Nervosität, Unsicherheit, Ängsten oder Stress leidet, kann das extreme Schwitzen an den Händen die Folge sein. Und genau dann beginnt für viele ein Teufelskreis, denn die Schweißbildung erzeugt weiteren Stress und Unsicherheit. Man fokussiert sich auf sein Problem, statt sich auf das Gespräch mit dem Gegenüber zu konzentrieren, was die Schweißbildung nur weiter vorantreibt.

Wie kann man Hyperhidrosis Palmaris behandeln?

Wie schon erwähnt verhält es sich mit den Schweißdrüsen an den Händen anders als bei den restlichen Körperstellen und viele Hausmittel sind hier zwar nicht schädlich, aber erzielen nicht den gewünschten Effekt. Und den Satz „Versuche gelassen und cool zu bleiben, um die Schweißbildung zu vermeiden!“ kann man sich wohl sparen. So einfach lässt sich die Psyche dann auch nicht steuern.

Was man tun sollte, ist, sich häufig die Hände zu waschen, um die Geruchsbildung zu vermeiden, und das regelmäßige Baden der Hände mit Salbei und Kamilletinktur bzw. Salzwasser kann die Intensität der Schweißabsonderung verringern.

Vielen bleibt allerdings eine professionelle Hilfe nicht erspart. Hautärzte behandeln Hyperhidrose mit einer sogenannten Stufentherapie. Das bedeutet nichts anderes, als mit der einfachsten und komplikationsärmsten Therapiemethode zu beginnen und je nach Bedarf die Intensität Schritt für Schritt zu erhöhen.

Die Behandlung mit einem Antiperspirant

Im ersten Schritt wird ein Antiperspirant eingesetzt. Diese enthalten anders als herkömmliche Deos eine höhere Konzentration an Aluminiumsalzen, welche die Schweißdrüsen verstopfen und eine Schweißbildung verhindern. Prof. Christian Raulin, Leiter der Karlsruher Laserklinik, empfiehlt den Einsatz von Antiperspirantien: „Sie sind günstig, effektiv und selbst steuerbar.“ Sie helfen aber vor allem bei starker Achselschweißbildung. Dagegen verringert die Hornhaut an Händen und Füßen etwas den Effekt des Mittels.

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Die Leitungswasser-Iontophorese

Sollte der gewünschte Effekt nicht eingetreten sein, setzen Mediziner oft auf Botulinumtoxin, kurz Botox, das mehrfach in die Hautstellen gespritzt werden muss. An den Händen ist dies allerdings so schmerzhaft, dass diese betäubt werden müssten. Und ein großer Nachteil hat die Methode auch: Die Trockenheit hält nur ungefähr ein halbes Jahr und die Behandlung muss dementsprechend wiederholt werden. Bei einem Behandlungspreis zwischen 600 und 1000 Euro dürfte das für viele keine Option sein.

Prof. Raulin empfiehlt für die Behandlung der Hände und Füße deshalb die Leitungswasser-Iontophorese, wenn die Aluminiumsalze versagen. Der Patient hält seine Hände oder Füße in zwei Wannen, die mit Leitungswasser gefüllt sind. Durch das Wasser fließt ein leichter Gleichstrom, der die Ionenkanäle der Schweißdrüsen irritiert. Nach fünf bis zehn Behandlungen reduziert sich das Schwitzen. Bei 90% der Patienten ist diese Methode erfolgreich.

Die Umstrittene Sympathektomie

Im letzten Schritt könnte für die Behandlung der Hände die Sympathektomie zum Einsatz kommen. Der Chirurg durchtrennt einzelne Nervenknoten (sogenannte Ganglien) des sympathischen Nervensystems und kappt somit die Verbindung zu den Schweißdrüsen. Die Methode ist allerdings extrem umstritten und viele Experten raten aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen von der Operation ab!

Fazit

Die Behandlung von übermäßigem Schwitzen an den Händen bedarf eines anderen Ansatzes als die Behandlung anderer Körperstellen. In den allermeisten Fällen lassen sich die Probleme allerdings gut beheben. Ist der Anfang erst einmal gemacht und die Last gemindert, dann sollte sich automatisch ein befreiendes Gefühl einstellen, das den positiven Effekt der Behandlung durch den mentalen Faktor noch verstärken kann.